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Einführung in das Lernmaterial

Dieses Lernmaterial richtet sich an Schüler*innen und Jugendliche ab 14 Jahren. Sechs Lernmodule stellen Lebensgeschichten, Themen und historischen Kontext in einen didaktischen Zusammenhang. Das Material ist so aufbereitet, dass Lehrende in der Schule bzw. Multiplikator*innen in der außerschulischen Bildungsarbeit es ohne große Hürden anhand von exemplarischen Lernwegen nutzen können. Lebensgeschichten bilden die Grundlage der didaktischen Bearbeitung und vorgeschlagenen Lernarrangements. Die den Biographien zur Seite gestellten Factboxes dienen der Kontextualisierung und besseren Einordnung der Lebensgeschichten, bieten aber keine umfassende Faktensammlung zum Thema. Geschichte wird nur soweit erläutert und erzählt, wie sich dies aus den konkreten Lebensgeschichten ergibt. Das Dokument „Didaktische Grundlagen zu den Lernmodulen“ leitet die konkrete Vorbereitung des Unterrichts ein. Ein Glossar mit kurzen Beiträgen unterstützt die unterschiedlichen Texte. Eine Sammlung vertiefender wissenschaftlicher Beiträge und eine Sammlung weiterer thematisch passender Bildungsmaterialien und Handreichungen rundet das Material-Set ab.

Lebensgeschichten mit Flucht- und Migrationserfahrungen zeigen Verflechtungen der deutschen und österreichischen Geschichte mit der Geschichte des arabisch-jüdischen Nahen Ostens. Die Geschichten einzelner Menschen, ihrer Begegnungen und gegenseitigen Beeinflussungen stellen die beiden Räume in einen historischen und aktuellen Bezug zueinander. Ausgehend von Lebensgeschichten kann über strukturgeschichtliche und politische Prozesse sowie über Identitätsbilder und Narrative diskutiert werden.

Die Lebensgeschichten stehen für komplexe, widersprüchliche und umstrittene Situationen – sie stehen exemplarisch für eine verflochtene und scheinbar unlösbare Situation. Die Individualisierung des abstrakten Fremden ermöglicht eine Annäherung an die unterschiedlichen – aber sich nicht gegenseitig ausschließenden – Erfahrungen, an den gesellschaftlichen Bezugsrahmen und an konfligierende Erzählungen. Zentral ist dabei die Sichtbarmachung und Bearbeitung unterschiedlicher Perspektiven. Die Lernenden werden eingeladen, sich dazu in ein Verhältnis zu setzen.

Vorgestellt werden Lotte Cohn, die sich schon weit vor dem Nationalsozialismus entschieden hatte, in das britisch verwaltete Palästina auszuwandern und sich dort für ein friedvolles Nebeneinander der jüdischen und arabischen Bevölkerung einzusetzen. Mohammed Helmy kam 1922 zum Studieren aus Ägypten nach Berlin und versteckte während des Nationalsozialismus die Jüdin Anna Boros. Fatima Hamadi, Tochter eines palästinensischen Stoffhändlers, musste 1948 ihr Dorf verlassen und nach Syrien fliehen – bis sie 2012 vor einem neuerlichen Krieg nach Deutschland flüchtete. Für die in Wiener Neustadt geborene Batya Netzer war die Flucht als junges Mädchen nach Palästina die Rettung vor dem sicheren Tod – für sie begann nach Gründung des Staates Israel ein neues Leben. Für Fatima Hamadi hingegen bedeutete die Staatsgründung Israels die Vertreibung aus ihrem Herkunftsdorf. Sami Michael floh aus dem Irak nach Israel und wurde zu einer wichtigen Stimme der arabischen Jüdinnen und Juden. Mit Aya Khaled aus Syrien wird schlussendlich auch eine aktuelle Fluchtgeschichte erzählt.

Biographisches Lernen erleichtert den Zugang zu komplexen geschichtlichen Verflechtungen. Um diese großen historisch-politischen Themen bearbeitbar zu machen, wird Geschichte über Geschichten von Menschen erfahrbar gemacht: Geschichten von Vertreibung und Migration, von auf Exklusion orientierten ideologischen Erzählungen von Volk und Nation und mit Erfahrungen der sozialen und ökonomischen Unterdrückung. Dies fördert einen differenzierten Blick, der Komplexität und Ambivalenzen anerkennt und auch stehen lassen kann.

 

Die (nicht nur historische) Multiperspektivität wird mit dem Ziel der Stärkung der transkulturellen Kompetenz genutzt. Der Nahe Osten wird im Kontext der Verflechtungen mit Europa, insbesondere mit Deutschland und Österreich, betrachtet. Akteur*innen sowie Interessen sollen dabei sichtbar werden. Dazu zählen imperiale Interessen, die Durchsetzung kolonialer Macht- und Herrschaftsverhältnisse sowie die daraus resultierenden historischen und zeitgenössischen gesellschaftlichen Asymmetrien. Widersprüchliche und konfligierende Narrative und Erinnerungen sind den bearbeiteten Themen immanent. Flucht und Migration werden als zeitübergreifende Phänomene dargestellt und derart sollen historische Kontinuitäten im Bereich von Diskriminierungs- und Fluchterfahrungen erkannt werden.

 

Dabei bieten die Lebensgeschichten Möglichkeiten, sich mit der Vielschichtigkeit von Verfolgung, Flucht und Migration auseinanderzusetzen. Dieses Lernmaterial ermöglicht, Entwicklungen und Politiken von Rassismus und Antisemitismus in der Lerngruppe zum Thema zu machen und aufzuzeigen, welche Einflüsse diese auf historische und aktuelle Flucht- und Migrationsbewegungen haben. Die Shoah wird dabei nicht als begrenzte deutsche bzw. österreichische Geschichte dargestellt, sondern als eine, die örtlich und zeitlich über den Nationalsozialismus hinaus wirkte – die Shoah hatte und hat direkten Folgen für den Nahen Osten.

Axel Schacht

Projektleitung Fluchtpunkte bei _erinnern.at_

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Annemarie Hühne

Grußwort von Annemarie Hühne

Annemarie Hühne, Teamleiterin im Bereich „Auseinandersetzung mit der Geschichte“ bei der Stiftung EVZ.

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Werner Dreier

Vorwort von Werner Dreier & Patrick Siegele

Werner Dreier, Geschäftsführer von _erinnern.at_ und Patrick Siegele, Geschäftsführer des Anne Frank Zentrums Berlin, über das Projekt und das Lernmaterial. Zum Text

Patrick Siegele

Redaktionelle Informationen

Für eine geschlechtergerechte Sprache verwenden wir das Gender-Sternchen* um geschlechtliche Markierungen zu ersetzen, gleichzeitig eine binäre Vorstellung von Geschlechtlichkeit zu hinterfragen und Raum für weitere Geschlechterformen zu lassen.     

 

Diese Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung der Stiftung EVZ dar. Für inhaltliche Aussagen tragen allein die Autor*innen die Verantwortung.

Mitarbeit, Expertise und Unterstützung

Gesamtverantwortung: Werner Dreier

Projektleitung: Axel Schacht

Projektteam: Danna Bader, Michael Bodenstein, Bianca Ely, Adrienne Homberger, Ilanga Mwaungulu, Axel Schacht, Andreas Schrabauer, Moritz Wein

Beratend und in vielfältiger Art und Weise unterstützend zur Seite gestanden sind uns: Marwan Abado, Ilira Aliai, Saba-Nur Cheema, Buchhandlung ChickLit, Yasemin Cankaya, Werner Dreier, Atheer Elobadi, Martin Ellrodt, Christian Gruber, Mark Günzel, Annemarie Hühne, Sabrina Kern, Aylin Kortel, Martin Krist, Katharina Kronhuber, Lonita Kuyumji, Peter Larndorfer, Anne Lüder, Lukas Meissel, Katinka Meyer, David Netzer, Viola Raheb, Verena Schaffer, Susanne Schatz, Ronen Steinke

Als wissenschaftliche Expert*innen haben unser Vorhaben kritisch begleitet und unterstützt: Maria Ecker-Angerer, Lukas Egger, Helga Embacher, Peter Gautschi, Hans Goldenbaum, Bente Gießelmann, Eva Kössner, Victoria Kumar, Yariv Lapid, Fanny Müller-Uri, Marlene Panzenböck, Dimitris Parsanoglou, Andreas Peham, Jan Riebe, Achim Rohde, Ariane Sadjed, Cyra Sommer, Ramin Taghian

Schüler*innen bei den Workshops in Wien im Herbst 2017: Aya, Bashir, Dario, Ena, Huda, Isabell, Jawad, Kiki, Kiwi, Siba

Übersetzung: Maher Bakkour (Arabisch) und Carolin Philipp (Englisch)

Finanzen: Yasemin Cankaya

Öffentlichkeitsarbeit: Moritz Wein

Lektorat: Sigrid Vandersitt

Endkorrektur: Michael Bodenstein

Graphik Materialien: Sabine Sowieja

Gestaltung Karten: Andreas Tanzer, andreastanzer.com

Webgestaltung: Moritz Wein & kombinat.at

 

Projektförderung

Das Projekt wurde von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" aus Mitteln des Förderprogramms "Migration und Erinnerungskultur" gefördert. 

 

 

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